Am Nachmittag des 29. November 2010 bekommt eine junge Frau (A.), die erst seit kurzem in Hannover wohnt, Besuch von einem Polizisten und wird das Ziel eines Anquatschversuches.

Gegen 15:45 Uhr klingelt es an ihrer Tür und A. fragt über die Gegensprechanlage, wer da sei. Am anderen Ende stellt sich ein Mann mit Namen und als Polizeibeamter vor, der „ein paar Fragen“ an sie hätte. Auf mehrmaliges Nachfragen worum es genau gehen würde, wird nur ungenau geantwortet. Der Polizist ist an einem persönlichen Gespräch interessiert. Da sie ihn nicht in die Wohnung lassen will, geht A. schließlich doch zur Haustür um herauszufinden, worum es genau geht. Sie vermutet der Anlass wäre ein Einbruch oder Unfall in der Nachbarschaft.

Unten angekommen weist sich der Mann in zivil als Polizist aus, lenkt aber gleichzeitig mit einer Bemerkung über ein Poster (mit dem großen Anti-Castor X) in A.s Fenster ab. Ihr ist nun klar, dass es hier nicht um eine Nachbarschaftsangelegenheit geht. Auf die Bemerkung, woher er wisse, wo sie wohne entgegnet er mit „Ja, ich weiß auch, dass Sie aus Lüneburg kommen und noch einiges mehr über Sie.“

Doch noch ist der Polizist nicht fertig. Er erzählt, dass sie aus der „Protestbewegung“ in Lüneburg bekannt sei und sie auch viele Menschen dort kennen würde. Sein Anliegen wäre in einem ruhigen Gespräch mit ihr Hilfe bei der Aufklärung von Straftaten beim letzten Castortransport zu bekommen. Auch dieses Angebot lehnt A. definitiv ab.
Er führt weiter aus, dass es „ihnen“ nicht um Demonstrationen, sondern um „schwere Straftaten wie das Schottern, Brandstiftung o.ä.“ gehen würde. Hier bräuchten „sie“ Hilfe. A. verweist erneut darauf, dass sie kein Interesse an einem Gespräch habe.

Der Polizist bleibt hartnäckig und schlägt vor mal „einen Kaffee trinken zu gehen, um sich mal ein wenig drüber zu unterhalten“, da A. schließlich Leute aus Lüneburg kennen würde. Erneut wird eine Zusammenarbeit abgelehnt und auch die Frage, ob A. denn nun in Lüneburg oder nur noch in Hannover aktiv sei bleibt, mit dem Verweis auf Aussageverweigerung, unbeantwortet.

A. stellt nochmal fest, dass sie für keinerlei Kooperationen oder Gespräche bereit ist und lässt den Polizisten vor der Haustür stehen.

Der Mann ist ca. 1,80 m groß und zwischen 50 und 60 Jahren alt. Er trug eine dunkelgrüne Winterjacke und einen beige-karierten Schal und ist Brillenträger. Wen er mit „ihnen“ und „sie“ meint, ist unklar. Da die Fragen vor allem auf Strukturen in Lüneburg bzw. den Anti-Castor-Widerstand abzielen, könnte es sein, dass hier kein Beamter der politischen Polizei (Staatsschutz) Hannover, sondern ein Mitarbeiter des LKA Niedersachsen bei der Arbeit war.

In Hannover scheint es Taktik der Repressionsbehörden zu sein gerade jüngere AktivistInnen anzusprechen. (2005, 2009, 2010) Die Rote Hilfe in Hannover protestiert gegen diese versuchte Einschüchterung und Ausforschung linker Strukturen: Konsequente Aussageverweigerung – ob bei Polizei oder Verfassungsschutz!

Einige generelle Anmerkungen zu Anquatschversuchen:

  • Von staatlicher Repression Betroffene trifft keine „Schuld“. Sie haben nichts „falsch“ gemacht. Sie sind nicht mit den „falschen“ Leuten zusammengekommen. Sie sind aus den unterschiedlichsten Gründen von den staatlichen Repressionsapparaten „ausgewählt“ worden.
  • Die Beamten und Beamtinnen des VS haben keinerlei Befugnisse, eine Aussage oder Mitarbeit zu verlangen; sie haben keine Macht, juristischen oder sonstigen Druck auf Dich auszuüben (auch wenn sie in Extremfällen damit drohen und es in Extremfällen auch tatsächlich hinkriegen); deshalb sollten sie gleich des Hauses verwiesen werden.
  • Macht Anquatschversuche öffentlich! Kontaktiert lokale Antirepressionsgruppen wie die Rote Hilfe oder den Ermittlungsausschuss und veröffentlicht einen Bericht. Nichts ist den Repressionsorganen unliebsamer, als eine Öffentlichkeit, die ihre Arbeit kritisch wahrnimmt und ans Tageslicht befördert. Je mehr Leute davon erfahren, desto besser, denn die Repressionsbehörden und grade Geheimdienste wie der Verfassungsschutz wollen möglichst unerkannt im Dunkeln agieren.
  • Bei den Beamten und Beamtinnen handelt es sich immer um geschultes, professionell ausgebildetes Personal, das euch in jeder Hinsicht immer um mehrere Schritte voraus ist. Zu denken, ihnen bei einem Gespräch etwas „vorspielen“ und sie auf eine falsche Fährten locken zu können, ist fatal.
  • Wenn ihr angequatscht werdet, legt auf, schickt sie weg, werft sie raus, haut ihnen die Tür vor der Nase zu, zur Not – geht selber weg. Macht anwesende Freunde und Freundinnen, Bekannte und Verwandte aufmerksam. Lasst euch nicht einschüchtern. Haltet eure Augen und Ohren auf, aber den Mund in gewissen Momenten geschlossen.
  • Lasst euch nicht einschüchtern. Neben der Abschöpfung von Informationen geht es auch darum, Unruhe zu stiften. Es geht auch darum, zu verunsichern. Macht denen einen Strich durch ihre Rechnung!

aussageverweigerung.info

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