Die Rote Hilfe e.V. kri­ti­siert die Kri­mi­na­li­sie­rung des an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­tests vom 1. Mai durch das Ord­nungs­amt der Uni­ver­si­täts- und Han­se­stadt Greifs­wald.

„Tau­sen­de Greifs­wal­der stopp­ten Na­zi-Auf­marsch“ (OZ, 2. Mai 2011)

Am 1. Mai 2011 de­mons­trier­ten rund 350 Neo­na­zis durch Greifs­wald. Der Auf­zug wurde durch Pro­tes­te von vie­len an­ti­fa­schis­tisch ein­ge­stell­ten Men­schen be­glei­tet und teil­wei­se be­hin­dert. So be­tei­lig­ten sich ca. 3.000 Men­schen an einem De­mo­kra­tie­fest und zeig­ten sym­bo­lisch, dass die Pro­pa­gan­da der NPD in Greifs­wald un­er­wünscht ist. Wei­te­re 1.500 An­ti­fa­schis­t_in­nen ent­schlos­sen sich dazu, aktiv die NPD-De­mons­tra­ti­on zu stö­ren. Im Zuge des­sen kam es zu meh­re­ren Sitz­blo­cka­den, die dazu führ­ten, dass die Route der NPD-De­mons­tra­ti­on mas­siv ver­kürzt wer­den muss­te.

Auf­grund des brei­ten Pro­tes­tes ließ der Ober­bür­ger­meis­ter Ar­thur König ver­lau­ten: „Das neh­men wir als Bür­ger die­ser Stadt nicht hin.“ (OZ, 2. Mai 2011) und un­ter­stüt­ze damit die Pro­tes­tie­ren­den.
Trotz die­ser wohl­wol­len­den Worte des Ober­bür­ger­meis­ters war das Ver­hal­ten der Po­li­zei an die­sem Tag mehr als kri­tik­wür­dig, so wur­den bei­spiels­wei­se unter teil­wei­se mas­si­ven Ein­satz von Pfef­fer­spray und Schlag­stö­cken meh­re­re Sitz­blo­cka­den durch die Po­li­zei ge­räumt, und wahl­los Pas­san­t_in­nen, die au­gen­schein­lich in das Bild der Blo­ckie­rer_in­nen sei­tens der Po­li­zei pass­ten, an­ge­grif­fen und teil­wei­se ver­letzt.
Au­ßer­dem wurde u.a. in der Hein­rich-Hertz-Stra­ße die Sitz­blo­cka­de von über hun­dert Men­schen von der Po­li­zei ein­ge­kes­selt und an­schlie­ßend ge­räumt, wobei es eben­falls zu ei­ni­gen Ver­let­zun­gen bei den Blo­ckie­rer_in­nen kam. Die Po­li­zei, na­ment­lich die Ab­tei­lung ‚Staats­chutz‘, er­öff­ne­te ei­ni­ge Tage spä­ter zu allem Über­fluss ein Ver­fah­ren wegen „Stö­rung von Ver­samm­lun­gen und Auf­zü­gen“ (§21 VersG) und „Ver­dacht der Nö­ti­gung“ (§240 StGB). Die Pres­se­spre­che­rin der Roten Hilfe e.V. Orts­grup­pe Greifs­wald, Su­san­ne Ernst kom­men­tier­te da­mals das Vor­ge­hen wie folgt: „Es ist un­be­greif­lich wie die Po­li­zei auf­grund von Sitz­blo­cka­den Straf­ver­fah­ren gegen An­ti­fa­schis­tin­nen und An­ti­fa­schis­ten ein­lei­tet, die seit einem Grund­satz­ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 1995 (AZ 1 BvR 718/89) vor Ge­richt kei­nen Be­stand mehr haben. Dar­aus folgt für uns als Rote Hilfe e.V., dass die Po­li­zei ent­we­der die ak­tu­el­le Rechts­la­ge nicht kennt, oder diese Ver­fah­ren nur ein­ge­lei­tet hat, um An­ti­fa­schis­tin­nen und An­ti­fa­schis­ten von le­gi­ti­men Pro­test gegen Neo­na­zis ab­zu­schre­cken, oder sogar bei­des.“ Zu­min­dest die Staats­an­walt­schaft kennt die ak­tu­el­le Rechts­la­ge und be­gann, die Straf­ver­fah­ren Ende Ok­to­ber ein­zu­stel­len, lei­te­te aber lei­der das Ver­fah­ren an das Ord­nungs­amt wei­ter.
Das Ord­nungs­amt Greifs­wald ver­sucht in Folge des­sen wei­ter die Blo­ckie­rer_in­nen mit Ver­fah­ren zu über­zie­hen. So stellt das Amt an die Be­trof­fe­nen Per­so­nen An­hö­rungs­bö­gen zu, in denen ihnen mit­ge­teilt wird, dass ein Or­dungs­wid­rig­keits­ver­fah­ren wegen Ver­stoß gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz (§29 Abs. 1, Nr. 2 VersG) gegen sie ein­ge­lei­tet wurde. „Die Orts­grup­pe Greifs­wald der Roten Hilfe for­dert das Ord­nungs­amt dazu auf, die Pro­tes­te gegen die Ge­fah­ren der Neo­na­zis nicht wei­ter zu kri­mi­na­li­sie­ren und alle Ver­fah­ren ein­zu­stel­len. An­ti­fa­schis­mus ist nicht kri­mi­nell, son­dern not­wen­dig!“, so die Pres­se­spre­che­rin der Roten Hilfe e. V. Greifs­wald, Su­san­ne Ernst.

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