Thälmann GedenkstätteLiebe Genossinnen und Genossen,

 wir sind heute hier zusammen gekommen, um den Mut der Genoss*innen des Zentralkomitees der KPD zu ehren. Am 07. Februar 1933, kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, versammelten sie sich hier an diesem Ort unter erschwerten Bedingungen. In Anwesenheit des Parteivorsitzenden Ernst Thälmann fand im Lokal „Sporthaus Ziegenhals“ in Königs Wusterhausen eine illegale Tagung des Zentralkomitees der KPD statt. Es sollte auf lange Sicht die letzte ihrer Art sein. Hier hielt Ernst Thälmann seine letzte Rede vor seiner Verhaftung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) am 03. März 1933, nach der er über elf Jahre in Einzelhaft verbrachte und schließlich 1944 erschossen wurde.

 Viele der damals hier versammelten Genoss*innen waren auch Mitglieder der Roten Hilfe Deutschlands, etwa Wilhelm Pieck. Er war erster Vorsitzender der Organisation und 1933 Redakteur ihres Zentralorgans „Der Rote Helfer“.

Nach der blutigen Niederschlagung der Novemberrevolution in den Jahren 1918 und 1919 durch rechte Freikorps, dem Kapp-Putsch und dem Märzaufstand 1920 waren zahlreiche Arbeiter inhaftiert und ihre Familien in existenzieller Not. 1924 wurde die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) als Selbsthilfeorganisation gegründet, um diese Menschen sowohl materiell als auch ideell zu unterstützen.

 Im Zuge der „Reichstagsbrandverordnung“ von 1933 wurde auch die Rote Hilfe Deutschlands verboten und in den folgenden Jahren von der Gestapo zerschlagen. Trotzdem gelang es einigen Mitgliedern lange Zeit, in der Illegalität weiter zu agieren und etwa politisch Verfolgten ins Exil zu verhelfen oder Inhaftierte zu unterstützen. Auch dafür war vor allen Dingen eines notwendig: Mut.

 Viele Genossinnen und Genossen bezahlten ihren Einsatz für die Rote Hilfe mit ihrem Leben. Sie fielen dem faschistischen Staatsterror zum Opfer. Andere verbrachten lange Jahre in Kerkern und Zuchthäusern.

 Es dauerte lange, bis sich in der BRD wieder eine Rote Hilfe gründete, noch länger, um daraus einen strömungsübergreifenden Verein für alle Linken zu formen.

 Wir verstehen uns auch heute als Solidaritätsorganisation, die von staatlicher Repression betroffene linke Aktivistinnen und Aktivisten politisch und finanziell unterstützt.

 Die Aktionsfelder der heutigen linken Bewegungen sind vielfältig: Freiräume, Antirassismus, Umwelt, TTIP, Feminismus, Arbeitskämpfe, Antifaschismus, internationale Solidarität, die Verteidigung demokratischer Grundrechte gegen zunehmende Überwachung und Gesetzesverschärfungen, die Unterstützung für geflüchtete Menschen, die Liste ließe sich beliebig fortführen.

 Besonderes Augenmerk sollte allerdings dem Rechtsruck gelten, der in Europa und vielen Regionen der Welt um sich greift.

 Zur zunehmenden Armut eines großen Teils der Bevölkerung und damit einhergehender Perspektivlosigkeit kommen repressive Gesetze und Maßnahmen, um die Menschen präventiv im Zaum zu halten und zu kontrollieren. Hierzulande ist es vor allem die AfD, die sich mit plumpen Parolen als vermeintliche Alternative zur von allen etablierten Parteien getragenen neoliberalen Politik präsentiert.

 Doch in einem sind sich all diese Kräfte einig: Der Hauptfeind steht links!

 Mit aller Macht soll die Erinnerung an die Geschichte von Ernst Thälmann, der KPD und zahlloser anderer Linker ausgelöscht werden. Viele Medien, Politiker*innen, selbsternannte Historiker*innen, Extremismus- oder Terrorexpert*innen arbeiten den ganzen Tag daran, alles was links ist, zu dämonisieren und zu kriminalisieren. Nicht anders ist es zu erklären, das die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte trotz zahlreicher Proteste aus dem In- und Ausland abgerissen wurde.

 Es zeigt uns, wie wichtig der Kampf ums Erinnern und unsere Geschichte ist und wie ernst ihn auch unsere politischen Gegner verschiedenster Couleur nehmen.

Es ist uns deswegen sehr wichtig, heute am 84. Jahrestag der illegalen ZK-Tagung hier gemeinsam mit euch für die Wiedererrichtung der Gedenkstätte einzutreten und das antifaschistische Vermächtnis hoch zu halten.

 An diesem historischen Ort müssen wir uns vergegenwärtigen, dass unser Kampf noch lange nicht vorbei ist. Auch wir müssen weiterhin Mut beweisen und gemeinsam gegen staatliche Repression, rechte Ideologien und für die Verteidigung unserer Geschichte streiten.

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