Testen Sie selbst: Könnte aus Ihrem Kind ein Terrorist werden?
Bildzeitungs-Psychologe: Starke Mütter, schwache Väter, viele Bomben
Bonn, 16. August - Baader war ein verhätschelter Junge, der ohne Vater aufwuchs. Ulrike Meinhofs Vater starb, als sie fünf war. Kurz nach der Geburt von Jan Carl Raspe starb sein Vater. Raspe wuchs als stilles, unauffälliges Kind auf. Das hat der Bonner Psychologe und Terrorismus-Forscher Lothar von Balluseck (70) festgestellt.
Er hat die Lebensläufe der BM-Terroristen überprüft und ihre Kindheit durchleuchtet. Seine wichtigsten Erkenntnisse: „Die Lebensumstände der Terroristen sind fast alle gleich. Alle kommen aus guten Familien, wuchsen entweder ohne Vater auf oder hatten ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Vater.“
Balluseck weiter über Deutschlands Terroristen: „Sie haben als Kinder ihre Aggressionen nie ausgelebt. Sie waren brav, haben keine Teller vom Tisch geworfen, keine Kinder gequält und sich nicht geprügelt.“ Der Forscher schließt daraus: „Weil die Terroristen selbst kaputt sind, suchen sie die Schuld bei der Gesellschaft und sagen: Die Gesellschaft ist kaputt. Sie übertragen ihre eigenen Konflikte und Kindheitserlebnisse, mit denen sie nicht fertig werden, auf die Gesellschaft.“ So sagt Ballusek zum Fall Ponto: „Kinder, die ihren Hass auf eine in ihren Augen nicht ideale Vaterfigur nicht bewältigen, töten dann unter Umständen den väterlichen Freund.“ Für Eltern hat der Psychologe einen Test herausgearbeitet. Kinder, die bei diesem Test auf über 50 Punkte kommen, sind theoretisch anfällig für Ideen der Terroristen und selbst zu Gewalttaten bereit.
| Aus „guter Familie“ | 10 |
| Zerrüttete Familienverhältnisse | -10 |
| Beherrschende Mutterfigur(en) | 15 |
| Vater beziehungsgestört, schwächlich | 10 |
| Vater diktatorisch | 10 |
| Körperbau: hochaufgeschossen, schlank, schmalgliedrig | 3 |
| In der Kindheit auffallend zart oder verhätschelt; extrem sensibel | 8 |
| Keine enge Gemeinschaft mit Gleichaltrigen, eher Eigenbrötler | 5 |
| Kein „fröhliches Kind“ | 6 |
| Sehr intelligent, stellt sich und anderen früh Problemfragen | 5 |
| Bevorzugt als Lektüre Literatur, die Weltschmerz oder -verneinung artikuliert (Kafka, Hesse) | 3 |
| Vorliebe für humoristische Bücher (Wilhelm Busch), Stücke, Filme, Sendungen | -8 |
| Als Kind Neigung zu Gewalttaten. Gebrauchte als Jugendlicher seltener Worte aus dem Fäkalien- und Sexualbereich | -5 |
| War Mitglied einer Rockerbande | -10 |
Der Test stammt aus der Bild-Zeitung und wurde dort 1977 veröffentlicht. Zu finden in: Ein deutscher Herbst. Zustände, Dokumente, Berichte, Kommentare; Tatjana Botzat, Elisabeth Kiderlen, Frank Wolff, Verlag Neue Kritik 1978.

