Der Rote Faden - Grundsätze der Kriminalpraxis
Bescheid wissen, wie die Polizei bei Verhaftungen und Verhören vorgeht - ein wichtiges Buch aus der Feder der Gegenseite.
Das Fachbuch „Der Rote Faden - Grundsätze der Kriminalpraxis“ ist in seiner Kompaktheit und Vollständigkeit für jede und jeden zu empfehlen, die/der sich schnell und gründlich ein eigenes Bild über Vorgehens- und Arbeitsweisen der Sicherheitsbehörden und Strafverfolgungsorgane machen möchte.
Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis ermöglicht einen guten Überblick über die behandelten Themen und die Struktur des Buches und damit einen guten Einstieg in die Materie.
„Die Publikation wendet sich insbesondere an Praktiker aus Polizei und Strafjustiz, an Lehrende in der polizeilichen Aus- und Weiterbildung sowie an Studenten in der polizeilichen Fachhochschulausbildung, aber auch die Sicherheitsorgane der Wirtschaft und sonstige Institutionen, die sich mit Fragen der Kriminalitätsbekämpfung befassen, sind mit angesprochen.“ (Aus dem Vorwort.)
Sehr umfangreich und dabei sehr gut verständlich wird hier der gesamte Ablauf kriminalistischer Methodik erläutert und dargestellt. Angefangen bei einer Einführung in die Kriminalistik, über das strafprozessuale Ermittlungsverfahren („Begriff und Wesen“), die Verdachtslehre („Prozess der Verdachtsgewinnung“) und Aktenführung („Begriff und Funktion der Ermittlungsakte“), bis hin zu ausführlichen Erläuterungen zu Kriminaltaktik („Informatorische Befragung und Vernehmung“), der Methodik kriminalistischer Fallbearbeitung („Arten kriminalistischer Hypothesen“) und der gesamten Palette der Kriminaltechnik („Kriminaltechnische Untersuchungen von Stimme, Sprache und Schrift“) lässt dieser kleine Wälzer keine Frage unbeantwortet.
Besonderes Augenmerk verdient dabei der Abschnitt über polizeiliche Vernehmung. Hier wird sehr schön erläutert, wie die vernehmenden Beamten sich auf die Vernehmung vorbereiten sollten, was für allgemeine vernehmungstaktische Grundsätze es zu beachten gilt, welche psychologischen Aspekte es dabei zu berücksichtigen gibt und wie und mit welcher Taktik die aus ihrer Sicht besten Ergebnisse zu erzielen sind. Dieser Abschnitt über die kriminalistische Psychologie sei allen ganz besonders ans Herz gelegt - Kenntnis über die Vorgehensweise und das Verhalten von Staatsschützern und Kriminalbeamten im Verhör können im Falle eines Falles wirklich dazu beitragen, dass ihr das entscheidende Stück an Selbstsicherheit gewinnt und nicht zu demm Spielball werdet, den sie sich wünschen. Sich einmal eingelesen zu haben in die Ausführungen zur „Vernehmungstechnik des erweiterten kognitiven Interviews“, in die Texte „Zum Umgang mit Aussagewiderstand“, „Aspekte der Persönlichkeit des Betroffenen“ oder in die „Vernehmungsstrategien im Umgang mit Aussagewiderstand“ schärfen den Blick für psychologische Settings und langfristiges Kalkül der Vernehmenden auf eine Art, die wir uns alle zu eigen machen sollten.
Dabei ist es wirklich erhellend, sich von kompetenter Seite einmal den wichtigen Unterschied zwischen einer „informatorischen Befragung“ und einer „Vernehmung“ erklären zu lassen! *
Das Wissen um „erlaubte vernehmungstaktische Handlungsspielräume“ und „verbotene Vernehmungsmethoden“ und die sich daraus eventuell ergebenden Rechtsprobleme sind dann willkommener Nebeneffekt - oder kanntest du schon die wichtigen und unter Umständen folgenreiche Unterschiede zwischen Lüge, List und Täuschung durch Polizeibeamte im Rahmen einer Vernehmung?
Fazit: Ein essentielles Buch für politisch aktive Genossinnen und Genossen!
Ein umfangreiches Sachregister und ein interessantes Literaturverzeichnis beschließen das Buch.
Das Buch ist problemlos über den Buchladen eures Vertrauens oder im Internet zu bekommen.
Horst Clages (Hrsg.): Der Rote Faden - Grundsätze der Kriminalpraxis
Kriminalistik-Verlag, Heidelberg, 2004
Paperback, ISBN 3-7832-0011-3
Das Buch hat 578 Seiten und kostet ca. 24, 90 Euro
* Nun - eine „Informatorische Befragung“ ist eben keine „Vernehmung“, und deswegen muss man dann auch nicht durch die Beamten auf das einem vielleicht (zum Beispiel als eventuell zukünftig Beschuldigter) zustehende Recht hingewiesen werden, sich nicht zur Sache zu äußern... Ätsch!
Keine Aussagen bei Polizei und Staatsanwaltschaft! Nur das ist sicher...

